Einfach erklärt: Urbanisierung

Die globale Bevölkerung wächst rasant. Immer mehr Menschen drängt es weltweit vom Land in die Stadt. Sie hoffen in den Metropolen auf bessere Jobs und Infrastruktur, mehr Bildung und Freizeitmöglichkeiten. Sie wünschen sich mehr Lebensqualität. 1950 lebte weniger als ein Drittel der Weltbevölkerung in Städten, im Jahr 2007 waren bereits mehr als 50 Prozent aller Menschen Stadtbewohner. 2050 werden nach Berechnungen der UN von den insgesamt ca. zehn Milliarden Menschen auf der Erde mehr als sieben Milliarden in Metropolen leben.

Mehr Menschen in den Städten bedeutet zugleich, dass Städte immer größer werden. Laut UN-Prognosen wird es 2030 mehr als 40 „Mega-Cities“ mit mehr als zehn Millionen Einwohnern geben. Aktuelle Riesen wie Tokio (37 Millionen Einwohner in der Metropolregion), Shanghai (23 Mio.) oder New York City (20 Mio.) werden keine große Ausnahme mehr sein. Dieser Trend stellt die Gesellschaft vor gewaltige Herausforderungen. Wie können Menschen in der Zukunft umweltfreundlich, ökonomisch effizient, sozial gerecht und sicher in den Metropolen der Welt wohnen? Wir werfen einen kurzen Blick zurück auf die Geschichte der Urbanisierung sowie einen Blick auf das Zusammenleben in der Zukunft. Und wir zeigen Wege auf, wie wir den Herausforderungen der Urbanisierung begegnen werden.

Was bedeutet Urbanisierung?

Der Begriff „Urbanisierung“ (lateinisch „urbs“ = Stadt) bezeichnet die Ausbreitung städtischer Lebensformen. Beim reinen Wachstum von Städten spricht man von einer „physischen Urbanisierung“ oder „Verstädterung“. Wird eine ländliche Region infrastrukturell so erschlossen, dass es mit städtischen Standards vergleichbar ist, nennt man dies „funktionale Urbanisierung“. „Soziale Urbanisierung“ steht für das veränderte Sozialverhalten der Bewohner von ländlichen Gebieten. Etwa werden offenere Wertevorstellungen und das Konsumverhalten der städtischen Bevölkerung übernommen.

Die Geschichte der Urbanisierung kurzgefasst

Ein Blick in die Vergangenheit zeigt: Menschen zogen vor allem dann vom Land in die Stadt, wenn sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen insgesamt geändert haben. Mal stieg die Bevölkerung auf dem Land überdurchschnittlich an, sodass die Ressourcen knapp wurden. Mal lag der Grund bei technischen Entwicklungen. Die Mechanisierung der Landwirtschaft etwa führte dazu, dass Menschen auf dem Land ihren Job verloren und in der Stadt einen neuen suchten.

Die Städteplaner standen damals vor ähnlichen Herausforderungen wie heute: Die Städte mussten sich verändern, um den Zugezogenen eine gute Lebensqualität zu bieten. Kanalisationsnetze mussten gebaut und ausgebaut, die Energieversorgung an die größeren und mehr Wohngebäude angepasst werden. Der Nahverkehr wurde ausgebaut, um immer mehr Menschen aus Wohngebieten zur Arbeit in die Industriegebiete zu bringen.

Ursachen der Urbanisierung

Urbanisierung findet vor allem in Regionen statt, wo sich Industrien ausdehnen. Denn: Arbeitsplätze in angrenzenden ländlichen Gebieten werden dadurch weniger. Viele Menschen verlassen diese ländlichen Gebiete, um der drohenden Arbeitslosigkeit zu entkommen und in den rasant wachsenden Industrien der Metropolregionen einen neuen Job und ein neues Zuhause zu finden. Wer sich ein Zuhause in der Stadt aber nicht leisten kann oder trotz des neuen Jobs ein Leben im Grünen bevorzugt, muss täglich mitunter lange Arbeitswege in Kauf nehmen.

Neben dieser Landflucht sind Kriege oder kriegsähnliche Konflikte der Grund für die Abwanderung der Bevölkerung aus ländlichen Regionen. Die Menschen fliehen in die Städte, weil sie sich hier sicher glauben und im Notfall eine bessere medizinische Versorgung vorfinden. Auf einen einfachen Nenner heruntergebrochen: Menschen ziehen immer dann vom Land in die Stadt, wenn sie davon überzeugt sind, dort ein besseres Leben zu haben.

Dicht an dicht: Herausforderungen der Urbanisierung

Mehr Menschen benötigen mehr Platz. So kommt es, dass Städte immer größer werden und sich immer weiter ins Umland ausbreiten. Landwirtschaftliche Flächen und Lebensraum für Tiere werden zunehmend versiegelt. Freiflächen in Stadtlage fallen derweil der Nachverdichtung zum Opfer. Doch trotz aller Bestrebungen für mehr Wohnraum in Städten: Das Angebot kann der hohen Nachfrage oft nicht standhalten. Wohnungen – nicht nur in London, Paris oder New York City – werden für Durchschnittsverdiener zunehmend unbezahlbar. Und hinzu kommt: Für ein lebenswertes Leben in der Stadt benötigen Menschen mehr als nur Wohnraum.

Alle Einwohner brauchen eine ausreichende Versorgung mit Trinkwasser und Nahrungsmitteln. Die medizinische Versorgung muss gesichert, der Nahverkehr optimiert, die Kanalisation und Straßen ausgebaut werden. Zugleich müssen Erzeugung, Speicherung und Verteilung von mehr Energie möglichst effizient und emissionsfrei sein, um dem Klimawandel und der Gesundheit aller Rechnung zu tragen.

Das Prinzip Smart City

Wie muss sie also aussehen, die Stadt von morgen? Was kann Digitalisierung leisten? Wie muss eine Metropole konzipiert sein, damit sie vielen Menschen auf engem Raum ein Dasein mit ausreichender Lebensqualität garantiert? Das Stichwort lautet Smart City. Eine intelligente Stadt ist so konzipiert, dass sämtliche Aspekte des öffentlichen Lebens ineinandergreifen und miteinander vernetzt sind. Das Ziel: Metropolen effizienter, technologisch fortschrittlicher und grüner zu gestalten - und dabei sozial niemanden auszuschließen. Dies geschieht auf Grundlage technischer, wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Innovationen.

Doch unter welchen Umständen würden Menschen überhaupt mehr Smart City-Angebote nutzen wollen? Das Marktforschungsinstitut Splendid Research befragte 2018 mehr als 1.000 Bürger in Deutschland zu ihren Erwartungen. 86 Prozent nannten einen kostenlosen Zugang zu Angeboten als wichtigsten Faktor. Auch eine einwandfreie Bedienung und Datenschutz erwarten über 80 Prozent der Befragten. Zeitersparnisse im Alltag wären einer großen Mehrheit ebenfalls sehr wichtig. Dass Smart City-Lösungen von den Stadtbewohnern angenommen werden, ist bedeutend. Nur dann können diese sinnvoll weiterentwickelt werden und langfristig für ein besseres Leben in Metropolen mit mehr als zehn Millionen Einwohnern sorgen.

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