Das Internet der Dinge im Jahr 2030

Smarte Städte, in denen vernetzte Autos fahren und Flug-Drohnen fliegen, neue Einkaufserfahrungen, Sensoren überall, aber keine Smartphones mehr: So oder so ähnlich könnte die Welt des Internet of Things (IoT) im Jahr 2030 aussehen.

Herzlich willkommen im Jahr 2030. Mein Name ist Hannah, und ich nehme Sie mit auf eine Reise in Ihre Zukunft. Ich bin gerade auf dem Nachhauseweg von meiner Arbeit beim Cyberterror-Abwehrzentrum. Dort setze ich mich für höchste Sicherheit in einer zunehmend digitalisierten und vernetzten Welt ein. Gerne nehme ich mir Zeit für Sie.

Zwar sitze ich gerade in meinem Auto, aber ich kann problemlos mit Ihnen plaudern. Denn ich muss weder lenken noch bremsen oder schalten, ich lasse mich von meinem smart vernetzten Elektroauto fahren. Das bringt mich zügig und sicher durch die Stadt. Wie praktisch das ist, nicht mehr auf den Verkehr achten zu müssen. Man lässt sich Romane auf die Netzhaut projizieren oder macht einen Abstecher ins VR-Game. Ich kann mir gar nicht mehr vorstellen, wie langweilig das Leben ohne diese Spiele war.

Jeder hat eine Konsole daheim. Die sieht aber überhaupt nicht aus wie eine Playstation zu Ihrer Zeit: Sie besteht aus Brille und Liege, die in alle Richtungen drehbar ist. Wir Spieler treffen uns in gigantischen 3D-Welten und erleben Abenteuer aller Art. Mein Favorit derzeit: Jupiter-Monopoly. Das erinnert aber nur sehr entfernt an das Brettspiel aus Ihrer Zeit. Auf jeden Fall macht es riesigen Spaß, 14 Stunden nonstop zu zocken. Im Auto ist dafür selten so viel Zeit, aber Sie können nahtlos an das Spiel daheim anschließen, wenn Sie Ihre portable VR-Brille aufsetzen.

Smart City

Vernetzte Autos im Internet der Dinge

Ich habe gute Nachrichten für Sie: Es wird künftig kaum noch Unfälle geben. Denn die Sensoren an den Fahrzeugen registrieren alle denkbaren Hindernisse und reagieren automatisch. Auch Sie fahren in Zukunft ein solches vernetztes Auto: Werden es 2020 schon 75 Prozent der Fahrzeuge sein, die zum „Internet of Things“ gehören, also vernetzt sind, sind es zehn Jahre später beinahe alle. Einen Führerschein brauchen Sie dann nicht mehr. Fahrschulen sind ebenso verschwunden wie Tankstellen und Werkstätten. Bevor ein Auto eine Inspektion braucht, erkennt dies eine installierte Software dank vorausschauender Wartung.

Dass es einmal Staus gegeben hat, kann sich heute niemand mehr vorstellen. Denn unsere Fahrzeuge sind so vernetzt, dass sie unterwegs miteinander kommunizieren. Sie stimmen sich untereinander ab, wer wohin unterwegs ist und wieviel los ist. Stockt der Verkehr irgendwo, nehmen die nachfolgenden Fahrzeuge einfach eine andere Route. Ganz ohne Navi.

Wie das Internet der Dinge die Stadt verändert

Überhaupt ist alles viel effizienter geworden. Warten müssen wir kaum noch: Ampelanlagen analysieren mit Kameras und Sensoren die Lage und die Anzahl der Verkehrsteilnehmer. Sie schalten selbständig von Rot auf Grün. Ewig um die Blöcke fahren für einen freien Parkplatz? Passé! Zu freien Plätzen lotst Sie das Auto – die Stellflächen sind ebenfalls vernetzt und melden sich, wenn sie frei sind. Vor Zebrastreifen und Schulen drosselt der Wagen die Geschwindigkeit automatisch.

Sicherer ist es auf den Straßen sowieso: Smarte Lampen stehen auf allen Straßen, sie sind mit  Kameras ausgerüstet, die die ganze Straße erfassen. Ein Handtaschenräuber würde damit sofort identifiziert werden. Wo die Tasche ist, wissen Sie eh: Sie ist mit einer SIM-Karte ausgerüstet, und die meldet den Standort. Die klugen Leuchten können noch mehr: Sie „sehen“, wenn sich ein Mensch oder ein Fahrzeug nähert, und werden erst dann heller. Solche intelligenten LED-Straßenlampen sparen mehr als die Hälfte des Stroms ein, den sie mit normalen Birnen verbrauchen würden.

Unterstützung im täglichen Leben

Das Internet der Dinge im Gesundheitswesen

Warten Sie mal kurz. Meine Mutter meldet sich gerade, sie ist krank. Sie ist zwar schon über 80, aber sie lebt allein zu Hause. Gestern Morgen alarmierte mich die Notruf-App, dass die Gesundheits-Sensoren ungewöhnliche Werte gemessen haben. Via telemedizinischer Diagnose kontrollierte der Computer noch einmal alle Daten, aber der Arzt wollte ihr eine Spritze geben. Ich orderte ein Flugtaxi, das sie zum Arzt brachte. Der wusste schon Bescheid, denn er bekommt die Ergebnisse der Messungen ebenfalls. Es ist weniger schlimm, als erwartet. Sie hat nur leichtes Fieber und bekam ihre Spritze. Ich werde sie gleich besuchen fahren. Wir haben schon befürchtet, dass die vor zwei Monaten eingesetzte 3D-Niere Probleme macht, aber die funktioniert einwandfrei. Ganz recht, Organe, die ihren Dienst nicht mehr tun, werden heute durch künstliche aus dem 3D-Drucker ersetzt. Finden Sie das erstaunlich? Bereits zu Ihrer Zeit wurden Prothesen so hergestellt und Forscher arbeiteten an der Entwicklung von Gefäßen. In Tierversuchen produzierten Wissenschaftler damals schon funktionsfähige Eierstöcke.

Auch von Flugtaxen haben Sie vielleicht 2017 schon gelesen. Uber kündigte damals erste Tests an. Ich erinnere mich noch an die ersten Versuche 2020: Die Drohnen von Uber Elevate hoben in Dubai zur Personenbeförderung ab. Sie waren ein riesiger Erfolg: Es braucht keinen Fahrer und keine Landebahn. Sie starten senkrecht und landen genauso. Das überlastete Verkehrsnetz ist nicht mehr an zweidimensionale Flächen gebunden, sondern nutzt den dreidimensionalen Raum. Der Computer programmiert die Strecke, und los geht es. Am Ziel warten Elektro-Ladestationen. Als ich die Aufnahmen sah, wollte ich unbedingt mitfliegen. Ich war damals 15 und hätte mir nicht vorstellen können, wie selbstverständlich das Fliegen auf diese Art einmal sein wird. Es ist herrlich, in die Luft zu gehen und zwischen den Wolkenkratzern entlangzugleiten, ohne Lärm und Abgase. Noch dürfen nur Flugtaxen so in die Luft gehen, aber das könnte sich bald ändern. Wissenschaftler müssen nur noch das Problem lösen, wie der Verkehr in der Luft geregelt werden könnte, wenn alle fliegen. Aber dank Sensoren, Vernetzung und Kameraüberwachung sollte das bald zu lösen sein.

Vom Verschwinden der Smartphones

Fragen Sie sich gerade, wo eigentlich mein Telefon ist? Ich brauche keins mehr! Die letzte Smartphone-Generation wurde 2025 gebaut. Aber das ePhone 15 war ein Ladenhüter. Wie umständlich war es doch, ständig ein Gerät in der Hand halten zu müssen. Via HoloLens-Brille ist Kommunizieren, Shoppen, Spielen und sich Informieren deutlich intuitiver. Erste Anzeichen hätten Sie auch 2017 schon mitbekommen können: Die ersten – freilich noch unausgereiften –HoloLens-Modelle gab es schon. Hersteller Microsoft kündigte zu der Zeit bereits das Ende des Smartphones an. Auch die Innovationsforscher von Trendone sagten voraus, dass wir spätestens 2027 für die digitale Kommunikation keine Geräte mehr hervorholen müssen. Sie hatten recht.

Es ist auch viel praktischer so: Wenn ich wissen will, ob wir noch Brokkoli daheim haben, frage ich meine HoloLens per Sprache. Ich kann sie als Brille oder als smarte Kontaktlinse nutzen. Sie teilt mir das Ergebnis mit – und wenn ich zustimme, kommt das Gemüse gleich auf die virtuelle Einkaufsliste, die dem Supermarkt gemeldet wird.

Wie IoT das Leben vereinfacht

Wissen Sie was? Es geht mir schon viel besser, trotz der Sorgen um meine Mutter. Die fröhliche Musik hat geholfen. Mein smartes Armband hat den aktuellen Sommerhit abgespielt. Titel: „What a hard life it was in 2017“. Das Armband misst nicht nur meinen Blutzucker, den Puls und den Blutdruck, sondern auch meine Stimmung. Registriert es Stress oder Trauer, reagiert es mit Musik oder erinnert mich an etwas Schönes: Ich könnte in eine Kaffeebar gehen, an denen hat sich nichts geändert. Oder kurz shoppen gehen. Das ist eine gute Idee.

Glauben Sie mir, das Leben im Jahr 2030 ist viel einfacher. Alles ist mit allem vernetzt. Zu Ihrer Zeit gab es laut IT-Research-Firma Gartner acht Milliarden vernetzte Geräte, 2020 waren es laut IBM 30 Milliarden. Heute gibt es keine mehr, die nicht via Internet mit anderen verbunden sind. Das spart viel Zeit, weil Informationen automatisch weitergegeben werden, von Gerät zu Gerät. Genau genommen suchen sich Daten von selbst das Ziel, wo sie verarbeitet werden.

Vom Einkaufen in der Zukunft

Soll ich Ihnen zeigen, wie Sie künftig einkaufen? Auf dem Bildschirm am Armaturenbrett blinkt gerade ein Angebot aus dem Laden auf, an dem wir gleich vorbeifahren. Das ist maßgeschneidert für mich: Ich habe dort schon öfter Wein gekauft, und meine Lieblingsmarke „2023er Cabernet Blanc Finlandia“ ist heute im Angebot. Schon zu Ihrer Zeit experimentierten Geschäfte mit dieser Art der Kundenbindung – allerdings musste man da noch umständliche Apps nutzen, um benachrichtigt zu werden. Heute geht das viel einfacher und nahtloser: Sensoren, RFID-Technik und NFC-Chips machen es möglich.

Wein und Käse: mehr brauche ich heute nicht. Sie werden sehen, auch das Bezahlen geht einfacher. Ich muss am Ausgang nur kurz stehen bleiben. Die Chips oder RFID an den Produkten werden automatisch erfasst, kein Verkäufer muss sie scannen. Ich zahle via NFC-Chip in meinem Armband. Das halte ich einfach an ein Lesegerät und bestätige mit einem persönlichen Code – in wenigen Sekunden bin ich fertig.

Smarte Kleidung, kluge Regale

Nebenan ist eine Boutique, ich mache einen Abstecher und probiere ein smartes Joggingshirt an. Das analysiert die Umgebung und misst meine Körperwerte: Ist mir kalt, wird es angewärmt. Die Spiegel in der Umkleidekabine verraten mir, dass es dieses Modell noch in drei anderen Farben gibt und wo es hergestellt wurde. Per Sprachbefehl lasse ich mir weitere Infos anzeigen. Leere Regale gibt es nicht mehr, denn sie sind smart geworden: Sie registrieren, wenn Nachschub gebraucht wird (und in welchen Größen) und schicken Roboter zum Auffüllen. Menschen brauchen sie dazu nicht mehr, die Geräte agieren autonom und verständigen sich untereinander. Schon zu Ihrer Zeit gab es erste Versuche: Algorithmen berechnen schon, wann einzelne Produkte wahrscheinlich verkauft werden und ordern die neue Lieferung vorher.

So, hier wohne ich: Snowden Drive 220a. Ich bringe nur kurz die Einkäufe rein. Schon auf der Fahrt habe ich der Haussteuerung gemeldet, wann ich da bin, so dass die Lichter eingeschaltet sind. Die Kaffeemaschine hat mir eine Maccacino gebrüht, und zwar genauso, wie ich das will – sie hat mit der Zeit und durch mein Feedback meinen Geschmack kennengelernt und sich angepasst. Und sie kennt meine Stimme –meiner Schwester bereitet sie den Kaffee anders zu. Sie wissen bereits, dass wir Steuergeräte nicht mehr in die Hand nehmen müssen. Den Durchbruch der Sprachsteuerung haben Sie miterlebt, durch kluge Assistenten wie Apples Siri oder Amazons Alexa. Auch heute noch spielt die Sprachsteuerung eine wichtige Rolle, aber nicht allein. Geräte können vielfach unsere Gesten analysieren, sie nutzen dazu Radartechnik. Googles schon 2015 vorgestelltes Forschungsprojekt Soli hat den Weg geebnet, heute ist die Gestensteuerung selbstverständlich – zum Beispiel zum Umschalten des Fernsehprogramms im Smart Home.

Die größten Risiken im Internet der Dinge 2030

Sorry, aber ich muss mich jetzt gleich von Ihnen verabschieden. Ich schaue ja noch bei meiner Mutter nach dem rechten. Ich hätte Ihnen gerne noch mehr über Ihre Zukunft erzählt. Was sagen Sie? Sie sind verblüfft von dem, was auf sie zukommen wird? Hoffentlich habe ich nicht zu sehr geschwärmt. Denn natürlich hat alles auch seine Schattenseiten. Klar, alles funktioniert heute unglaublich effizient. Und die Welt ist sicherer geworden - wenn da nicht die Hacker wären. Denn weil alles mit allem vernetzt ist, sind wir gleichzeitig auch angreifbarer geworden. Riesige Cyberterror-Abwehrzentren versuchen, den Angreifern immer einen Schritt voraus zu sein. Ich selbst arbeite an neuen Sicherheitstechnologien, die uns schützen sollen – in der Regel mit Erfolg. Chips mit integrierten Sicherheitsfunktionen, Verschlüsselung und Authentisierungstechnik können Hacker nicht so leicht überlisten. Aber das ist nicht die einzige Herausforderung.

Die Menschen haben heute zu viel Zeit, was zunächst erstmal kein Problem darstellt. Doch es birgt auch seine Schattenseiten. Schon 2017 warnte der israelische Zukunftsforscher und Erfolgsautor von „Home Deus“, Yuval Noah Harari: „Die meisten Menschen wird man für die Wirtschaft nicht mehr brauchen können. Sie sind überflüssig.“ Das liegt daran, dass inzwischen vor allem hoch spezialisierte Arbeitnehmer gefragt sind. Alles andere erledigen Roboter und Maschinen – und das auch noch schneller und billiger als Menschen. Viele mussten sich erst auf die neue Zeit einstellen. Das Problem war für viele die Perspektivlosigkeit, die sich daraus ergab. Ihre Jobs waren nicht mehr notwendig, Maschinen erledigten sie schneller. Auch Entscheidungen zu treffen fällt vielen schwer. Sie sind es schlichtweg nicht mehr gewohnt. Der Forscher nannte das so: „Wir delegieren sie an Algorithmen.“ Wir fragten Google nach dem Weg, Siri baten wir um Informationen und Amazons Alexa sollte Musik für uns aussuchen.

Yuval Noah Hararis düstere Prophezeiung damals: „Das eigentliche Problem wird sein, dem Leben der Menschen künftig einen Sinn zu geben.“ Sie fragen, ob ich dem zustimme? Nein. Für mich gilt das nicht. Ich habe viel mehr Zeit für mein größtes Hobby: die VR-Spiele. Dafür habe ich leider jetzt keine Zeit mehr: Das Flugtaxi ist da. Bis zum nächsten Mal, wir hören uns wieder!

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