Das Auto der Zukunft – Mobilität im Jahr 2030

Selbstfahrende Elektroautos, die per Knopfdruck ihre Form verändern, auf Wunsch der Karosserie einen Neuanstrich verpassen und die Fahrgastzelle an individuelle Bedürfnisse anpassen – so oder so ähnlich könnte das Auto der Zukunft aussehen.

Willkommen zurück. Mein Name ist Hannah. Vielleicht können Sie sich an mich erinnern. Ich hatte Sie damals auf eine Reise in die Zukunft mitgenommen, um Ihnen das Internet der Dinge (IoT) im Jahr 2030 vorzustellen. Dieses Mal möchte ich Sie mit dem Auto der Zukunft bekanntmachen und Ihnen zeigen, wie sich Mobilität verändern wird.

Autonomes Fahren

Einen Augenblick, bitte. Ich schnappe mir nur kurz meinen NFC-Mantel aus der mobilen Robotergarderobe hier im Cybersecurity-Zentrum, wo ich arbeite, und dann fahren wir auch schon los. Sie fragen sich, wie ich einerseits fahren und Ihnen andererseits meine ungeteilte Aufmerksamkeit widmen möchte? Nun, das ist ganz einfach. Ich lenke nicht mehr selbst. Ich lasse lenken. Im Jahr 2030 haben rund vier Millionen Autos bereits Level 5 erreicht und fahren somit vollständig autonom. Vielleicht haben Sie schon davon gehört. Nein? Na, dann kommen Sie mit vor die Tür, ich zeige es Ihnen.

Level 5 – fahrerloses Fahren

Ihnen wird vermutlich Level 3 ein Begriff sein. Auf dieser Stufe kann ich mich als Fahrerin vom Verkehrsgeschehen zurückziehen und beispielsweise lesen. Die Längs- und Querführung übernimmt das Auto währenddessen alleine. Ich muss mich zwar nicht mehr voll aufs Fahren konzentrieren, aber dennoch in der Lage sein, binnen einer bestimmten Vorwarnfrist die Fahraufgabe wieder vollständig zu übernehmen, etwa in Baustellensituationen. Auf Level 5 ist das nicht mehr notwendig. Hier passt sich das Auto selbstständig an Straßentypen, Umweltbedingungen und Geschwindigkeiten an. Für uns Menschen hat das jede Menge Vorteile, die ich persönlich nicht mehr missen möchte. Aber dazu gleich mehr. Erst einmal muss ich das autonom fahrende Auto anfordern. Hierfür genügt, über die entsprechende 3D-App auf meinem Holo-Armband zu wischen.  

Was ist Lidar?

Was ist Lidar?

Lidar-Sensoren messen den Abstand zu den Objekten und funktionieren somit ähnlich wie ein Flugzeug-Radar. Doch statt hochfrequenter Funkwellen sendet Lidar schwaches Laserlicht aus. Keine Angst: Es ist völlig unbedenktlich für unsere Augen. Das Licht scannt den Bereich rund um das Fahrzeug. In Kombination mit Kameras und Radar erhebt das System Daten, auf Basis derer der smarte Computer entscheidet, ob das Auto ausweichen, abbremsen oder beschleunigen muss. Wichtig ist zudem, dass in möglichst jeder Situation zwei von drei Sensorarten gut funktionieren.

Staufreies Fahren

Und da ist es auch schon. Bitte steigen Sie ein. Und keine Sorge, unseren Zeitplan für heute werden wir einhalten. Sie müssen wissen, im Jahr 2030 sind Staus gesetzlich verboten. Mich hat diese Entscheidung wenig überrascht, denn laut einer Prognose der Vereinten Nationen werden bis 2050 zwei von drei Erdenbürgern in Städten leben. Stellen Sie sich mal vor, unter den gegebenen Umständen würde jeder ein eigenes Auto fahren und selbst lenken. Da ginge so gut wie nichts mehr vorwärts.

Somit hat die Regierung entschieden, dass Verkehrsteilnehmer nur noch in Autos unterwegs sein dürfen, die miteinander kommunizieren und sich aufeinander abstimmen können. Bremst beispielsweise ein Wagen innerhalb einer Kolonne, löst das ein Signal aus. Dieses gibt die im Auto eingebaute künstliche Intelligenz Eugene II über das 10G-Mobilfunknetzwerk an sämtliche Fahrzeuge im Umkreis mehrerer Kilometer weiter. Die Folge: Alle Autos bremsen gleichmäßig ab. So kommt innerhalb einer Autokolonne erst gar kein Stau zustande.

Was ist Torque Vectoring?

Was ist Torque Vectoring?

Die Torque-Vectoring-Control sichert während des autonomen Fahrens, dass das Auto weder schwankt noch umkippt. Die meisten kennen die Technologie im Zusammenhang mit dem so genannten „Elchtest“ – im Fachjargon: Fahrdynamikregelung (ESP; elektronisches Stabilitätsprogramm).

Ist Ihnen eventuell noch etwas anderes aufgefallen, das mittlerweile der Vergangenheit angehört? Richtig, Verkehrsschilder. Da sich Autos nun aufeinander abstimmen, egal in welcher Situation, und sogar auf Fußgänger uneingeschränkt Rücksicht nehmen, hat die Regierung den Schilderwald an Straßenrändern „abholzen“ lassen. Und ich muss gestehen, mir gefällt der uneingeschränkte Blick auf die Natur.

Third Space – Refugium zwischen Arbeitsplatz und Zuhause

Aber jetzt entspannen wir uns erst einmal und genießen die Fahrt. Darf ich Ihnen etwas anbieten? Vielleicht ein Gläschen meines Lieblingstropfens „Cabernet Blanc Finlandia“? Nachdem wir Menschen im Jahr 2030 nicht mehr selbst fahren müssen, ist es durchaus in Ordnung sich ein Schlückchen Wein während der Autofahrt zu genehmigen. Überhaupt hat sich die Grenze zwischen Privat- und Berufsleben nahezu vollständig aufgelöst. Somit wird die Fahrgastkabine immer mehr zum sogenannten Third Place – ein soziales Refugium zwischen Arbeitsplatz und Zuhause, wo man sich wahlweise entspannt oder Arbeit erledigt.

Bei mir ist das nicht anders. Ich für meinen Teil nutze die Autofahrt vor allem, um mich zu entspannen. Das mache ich am liebsten bei einer Runde Jupiter-Monopoly. Für alle diejenigen, die es noch nicht kennen: Bei diesem 3D-Spiel treffe ich mich mit Freunden in atemberaubenden Welten und erlebe dabei Abenteuer aller Art. Die dabei notwendigen Bilder projiziert mir Eugene II auf ein dreidimensionales Prisma, das im Mittelbereich des Autos erscheint und somit von allen Seiten einsehbar ist – ideal, wenn mal ein Mitspieler oder eine Mitspielerin bei mir im Auto sitzt.

Lästige Parkplatzsuche passé

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber ich könnte mittlerweile etwas zu Essen vertragen. Da vorne ist ein nettes Café. Ich teile Eugene II nur kurz mit, dass wir hier aussteigen möchten und sich das Auto selbstständig einen Parkplatz suchen soll. Da ich Stammgast bin, hält Eugene II für mich stets eine Dauerreservierung bereit. Für einen Tisch ist also gesorgt.

Erinnern Sie sich, bei unserer letzten Begegnung übertrugen freie Parkplätze ihre Verfügbarkeit ans Auto. Das gibt es zwar immer noch, doch hat die Stadtverwaltung das Parkplatzangebot kürzlich erweitert. Öffentliche Plätze und Gebäude verfügen seit kurzem über Tiefgaragenplätze direkt vor der Haustür. Für uns bedeutet das, wir steigen aus, gehen ins Café, während das Auto vor unseren Augen mehrere Meter in die Tiefe gleitet. Durch die unmittelbare Nähe müssen wir nach dem Essen nicht erst warten, bis das Auto vom nächstgelegenen Parkplatz zurückkehrt, sondern können direkt vor der Haustür einsteigen und weiterfahren. Das ist äußerst komfortabel – vor allem, wenn man es eilig hat oder es regnet und man daher nicht am Straßenrand warten möchte.

Elektromobilität im postfossilen Zeitalter

Ich persönlich genieße nicht nur das frisch zubereitete Essen in meinem Lieblings-Café, sondern auch die frische Luft vor der Tür. Diese neue Lebensqualität haben wir der Politik zu verdanken, die die Treibhaus-Emissionen um 80 Prozent reduziert und das langersehnte Klimaziel somit weitestgehend erreicht hat – in den kommenden Jahren rechnen wir Bürger sogar mit weiteren CO2- Einsparungen. Maßgeblich daran beteiligt ist der Umstieg auf Elektromobilität sowie die Stromgewinnung aus 100 Prozent erneuerbarer Energiequellen.

Laden von Batterien für Elektroautos

Ich weiß, 2018 fuhren nur wenig Menschen Elektroautos, obwohl Ultra-High-Power-Stationen eine Batterie innerhalb von zirka 15 Minuten aufladen konnten. Die damalige Reichweite einer Batterieladung: rund 200 Kilometer. Gerade für Langstreckenfahrer eignete sich diese Reichweite nicht oder nur bedingt. Zudem war die Dichte an verfügbaren Ladesäulen noch sehr gering, vor allem in ländlichen Regionen.

Im Jahr 2030 hat sich vieles verbessert. Nicht nur säumen mittlerweile smarte Laternen mit integrierter Ladefunktion in Abständen von 20 bis 50 Metern die Straßenränder von Städten und ländlichen Regionen. Auch befinden sich mittlerweile unterirdische Induktionsladespulen an wichtigen Verkehrsknotenpunkten. Wartet beispielsweise unser Elektroauto während einer Rot-Phase an einer Kreuzung, lädt die Induktions-Technologie die Batterie unseres Elektroautos in wenigen Minuten auf. Wenn die Zeit nicht reicht, wiederholt sich der Ladevorgang an der nächsten Induktionsspule. Somit verfügt die Batterie eines Elektroautos stets über genügend Strom. Bezahlt wird dabei kontaktlos per integrierten Chip, der mit Ihrer 1.024-bit verschlüsselten Bitcoin-Wallet verbunden ist. Sie sehen, alles ganz einfach, sicher und bequem.

Car Sharing – nutzen statt besitzen

So, nachdem wir uns gestärkt haben, schlage ich vor, wir setzen unsere Reise fort. Unser Auto wartet bereits vor der Tür. Und ja, Sie haben es richtig bemerkt. Es ist nicht mehr das Auto, in dem wir gekommen sind, sondern ein anderes. Im Jahr 2030 glauben wir nicht mehr daran, ein eigenes Auto zu besitzen. Die Menschheit möchte flexibel sein und sich nicht mehr um das Laden oder den Kundendienst kümmern müssen. Die Unkosten deckt der Fahrer wahlweise per Flatrate oder Flexi-Tarif ab. Während die Flatrate sämtliche Kosten in einem Fixpreis vereint und sich somit für Vielfahrer eignet, zahlt man bei einem Flexi-Tarif nur das, was man nutzt. Das kommt besonders Wenigfahrern zugute.

Sie kennen das Prinzip bereits unter dem Namen „Car Sharing.“ Im Vergleich zu Ihrer Zeit unterscheidet sich das Car Sharing im Jahr 2030 jedoch in einem wichtigen Punkt:

Transpod – wandelbares Auto für individuelle Bedürfnisse

Während Sie sich bereits vorab für ein SUV, einen kompakten City-Flitzer oder eine Sportlimousine entscheiden müssen, miete ich erstmal irgendein Auto und wähle danach per Knopfdruck das Segment. Diese smarte und multimodiale Lösung nennt sich Transpod – mit anderen Worten, ein wandelbares Gehäuse.

Für unsere Rundfahrt schlage ich vor, wir bleiben beim Transpod-Segment KGCC – kompakter Großraum-City-Car. Sie meinen, „kompakt“ und „Großraum“ widerspräche sich? Na, dann passen Sie mal auf, was gleich passiert. Ich muss lediglich die Taste für unser Wunschsegment auf dem Armaturenbrett drücken und schon fahren Vorderbau und Heck der Sportlimousine des Vormieters ein. Die Fahrgastkabine hebt sich anschließend nach oben ab, wodurch sich ihr Volumen vervierfacht. Diese Version bietet uns einerseits genügend Platz, um uns gemütlich zu unterhalten. Andererseits ist das KGCC schmal genug, um im dichten Stadtverkehr nicht stecken zu bleiben, sondern schnell ans Ziel zu gelangen.

Zugangsrechte verteilen

Die Zugangsrechte zu unserem Transpod hat mir der Vormieter über die Cloud des Anbieters Transpod2Go direkt auf mein Holo-Armband übertragen. Infineon und Xain haben die Übertragung von Zugangsrechten bereits 2018 auf dem ATV Cybersecurity Forum vorgestellt. Sehen Sie selbst!

Blockchain-based Access Control (Englisch)

Transpod individualisieren

Nur weil wir in der Zukunft Autos nutzen anstatt sie zu besitzen, heißt das noch lange nicht, dass die Individualität zu kurz kommt. Im Gegenteil. Nicht nur das Segment können wir je nach Bedarf wählen, sondern auch die Farbe unseres Transpods.

Transpod-Farbe selbst wählen

Was halten Sie von Neptunblau mit einer Nuance Uranustürkis? Oder doch lieber Merkurrot? Derzeit bietet unser Transpod mehrere Millionen Farbkombinationen, die wir in unserem Car-Sharing-Paket zum Flatrate-Tarif spontan abrufen können. Und wer eine neue Kombination kreiert und beim Anbieter einreicht, bekommt sogar 60 Freiminuten als Dankeschön.

Die kreative Individualisierung des Autos der Zukunft endet nicht etwa bei der Karosseriefarbwahl, sondern erstreckt sich bis in den Innenraum. Und hier stehen uns zahlreiche Modalitäten zur Verfügung:

Autositz der Zukunft

Für unsere gemeinsame Fahrt habe ich uns das Programm „We Time“ herausgesucht, was „Zeit für uns“ bedeutet und sich sehr gut für Gespräche eignet. Wenn ich alleine auf dem Nachhauseweg bin und mich auf die eine oder andere E-Mail konzentriere, wähle ich in der Regel den Modus „Me Time,“ also „Zeit für mich.“

In beiden Modi können sich die Insassen ihren eigenen Autositz wählen. Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber ich wähle meistens das Relax-Programm. In diesem Modus vergrößert sich die Rückenlehne und man kann auf Wunsch sogar eine Massage hinzuschalten. Außerdem klappt eine Fußstütze aus. Äußerst bequem und entspannend, wie ich finde. Manchmal nicke ich dabei sogar ein, woraufhin Eugene II die Scheiben tönt. Schließlich muss mich nicht jeder auf der Straße beim Dösen beobachten.

Das Kontrastprogramm zum Relax-Programm ist der Office-Modus. Hier fährt wahlweise ein Tischchen aus, auf dem Sie Ihren Laptop abstellen können, oder eine Hologramm-Vorrichtung, die per Anmeldedaten Ihren persönlichen Arbeitsplatz simuliert. Der Sitz bleibt dabei in einer aufrechten, unbeweglichen Position, was die Konzentration fördert.  

Innenraum der Zukunft

Ihnen gefällt die Idee eines projizierten Arbeitsplatzes? Dann warten Sie mal ab, was der Transpod noch so alles zu bieten hat. Wischen Sie über diese Workstation-App, ruft Eugene II Ihren persönlichen Kalender, Ihre Kontakte und viele andere brauchbare Bürofunktionen auf. Und es kommt noch besser: Diese können Sie per Gestensteuerung auf das Head-up-Display, das Armaturenbrett oder das Panoramadach verschieben. Auf Wunsch können Sie sogar mehrere 3D-Bilder nahtlos miteinander kombinieren, sollten Sie eine Videokonferenz führen und gleichzeitig Ihre Nachrichten im Auge behalten wollen. Warten Sie, ich zeige es Ihnen.

Ich habe schon Vielfahrer gesehen, die sogar ihr komplettes Wohnzimmer simulieren. Schließlich möchte man sich auf langen Fahrten wohl fühlen. Ich selbst nutze diese Funktion zwar selten, da ich nie mehr als 20 Minuten unterwegs bin. Wenn ich allerdings mal Lust auf ein eMagazin habe, kann ich es so aus meiner heimischen Digitalbibliothek abrufen – wahlweise auf dem Head-up-Display, auf das vorhin erwähnte 3D-Prisma im Mittelbereich des Autos oder auf meine VR-Brille.

Ausblick: Fliegen statt fahren

Apropos Zuhause. Ich sehe gerade, dass es schon spät ist. Doch bevor ich mich verabschiede, möchte ich Ihnen noch einen kurzen Ausblick in die ferne Zukunft geben.   

Mobilität zu Lande wird es auch im Jahr 2050 noch geben. Es ist allerdings äußerst wahrscheinlich, dass die Menschheit den dreidimensionalen Raum für die Fortbewegung nutzen wird. Somit werden aller Voraussicht nach E-Flugtaxis in der Luft fahrende Autos auf dem Boden ersetzen. Das hat einen ganz einfach Grund: Auf unseren Straßen wird für den rapiden Bevölkerungsanstieg langfristig nicht mehr genug Platz vorhanden sein.

Sie selbst wurden bereits Zeuge dieser Entwicklung in Ihrem Zeitalter. Damals war allerdings noch nicht klar, wie der Luftverkehr geregelt wird. Jetzt ist unsere Regierung soweit. Soviel sei bereits verraten: Bald wird es selbstverständlich sein, dass wir in ein elektrisches Flugobjekt steigen, sei es Drohne oder Flugzeug, und kurzerhand dort hinfliegen, wo immer wir auch sein möchten.

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