Geschäftsausrichtung und Strategie

Wir wollen uns weiterentwickeln, wachsen und Mehrwert schaffen. Sowohl für unsere Kunden und unsere Aktionär*innen als auch für unsere Mitarbeiter*innen und die Gesellschaft. Die Coronavirus-Pandemie bremst uns dabei aktuell, aber sie kann uns nicht aufhalten. Im Gegenteil: Teilweise wirkt die Coronavirus-Pandemie wie ein Katalysator und Innovationsbeschleuniger. Viele Entwicklungen wären ohnehin gekommen. Durch die Coronavirus-Pandemie sind Veränderungen jedoch viel schneller angestoßen worden beziehungsweise haben sich schneller durchgesetzt, besonders im Bereich der Digitalisierung von Gesellschaft und Wirtschaft.

In den vergangenen Jahren haben wir uns konsequent auf globale Megatrends ausgerichtet, die die Welt in Zukunft auch weiterhin prägen werden: demografischer und sozialer Wandel, Klimawandel und Ressourcenknappheit, Urbanisierung und digitale Transformation. Aus diesen Megatrends leiten wir unsere Fokussierung auf die Wachstumsfelder Energieeffizienz, Mobilität, Sicherheit sowie IoT und Big Data ab. Wir orientieren uns in diesen Märkten an strukturellen Treibern, also Bereichen, die aufgrund der genannten Änderungen langfristig überproportional wachsen beziehungsweise ein großes Innovationspotenzial haben. An diesen zugrunde liegenden Annahmen hat sich durch die Coronavirus-Pandemie nichts geändert.

Folgende Megatrends und Markttrends eröffnen Halbleiterunternehmen wertvolle Möglichkeiten

Megatrends begründen neue Wachstumsfelder

In jedem der von uns adressierten Wachstumsfelder im Halbleitermarkt – Energieeffizienz, Mobilität, Sicherheit sowie IoT und Big Data – zeigen sich zahlreiche Anwendungsgebiete mit einem hohen Wachstumspotenzial für unser Halbleitergeschäft. Mit dem steigenden Energiebedarf und dem weltweiten Ziel der CO2-Einsparung wächst die Notwendigkeit, Energie effizienter zu erzeugen, zu übertragen, zu speichern und zu nutzen. Angesichts des steigenden Verkehrsaufkommens sind nachhaltige, intelligente Mobilitätslösungen unverzichtbar. Die steigende Digitalisierung von Dingen ermöglicht es, Energie effizienter einzusetzen. Darüber hinaus bedingt die Elektrifizierung einen zunehmenden Halbleiterbedarf in der Endanwendung, abhängig vom Grad der Elektrifizierung. In einer hochgradig digitalisierten Welt steigen die Anzahl an vernetzten Dingen und die Anforderungen an die sichere Verarbeitung, Übertragung und Speicherung von Daten. All diese Anwendungsfelder bedienen wir mit unseren Lösungen und Systemen, die uns helfen, ein nachhaltiges Wachstum zu erzielen. Zusammenfassend profitiert Infineon somit gleichermaßen von der zunehmenden Elektrifizierung und Digitalisierung von Endanwendungen.

Wachstumsfelder münden in spezifischen Wachstumstreibern

Energieeffizienz

Ein Umdenken beim Klimaschutz steht und fällt mit einem Umdenken im Rahmen der Energiewende. Nur wenn wir von der Stromerzeugung bis zum Stromverbrauch nachhaltig und klimafreundlich handeln, wird eine zukunftsfähige Energiewende gelingen. Dazu leistet Mikroelektronik einen entscheidenden Beitrag. Sie hilft, die wachsende Bevölkerung effizient und umweltfreundlich mit Energie zu versorgen. Der steigende Bedarf an elektrischer Energie kann zukünftig aus ökologischen Gründen nicht mehr im bisherigen Umfang aus fossilen Brennstoffen gedeckt werden. Erneuerbaren Energiequellen, die kein CO2 in die Umwelt abgeben, kommt daher eine immer größere Bedeutung zu. Ein Schlüssel liegt im Einsatz von Windkraft und Solarenergie. Die schwankende Verfügbarkeit dieser Energiequellen kann durch elektrische Speichersysteme ausgeglichen werden, bedingt aber ein übergreifendes Management des Stromnetzes.

Mobilität

Durch das weltweite Bevölkerungswachstum, die zunehmend weltumspannenden Wertschöpfungsketten sowie die Urbanisierung steigt der Bedarf an Verkehrsmitteln aller Art. Angefangen bei Massentransportmitteln wie Zügen und Bussen bis hin zu privat genutzten Fahrzeugen wie Autos, eBikes und eScootern. Besonders Städte und Metropolen stehen vor der Herausforderung, den Verkehr günstiger, effizienter und nachhaltiger zu gestalten.

Sicherheit

Die zunehmende Vernetzung von Personen, Maschinen und Geräten verlangt nach mehr IT-Sicherheit: von der Fertigungsindustrie über die Smart-Home-Anwendungen bis hin zur Informations- und Kommunikationstechnik. Wir liefern unseren Kunden robuste, zukunftssichere eingebettete Sicherheitshardware für elektronische Geräte, Computersysteme, Netzwerkkomponenten und Industrieanlagen. Diese Sicherheitstechnologien ermöglichen es, Personen und Maschinen zu authentifizieren, vertrauliche Daten zu schützen und unbefugte Änderungen an vernetzten Maschinen und Geräten zu erkennen. Im industriellen Bereich zeichnet sich dieser Trend schon deutlich ab. Mit der wachsenden Digitalisierung nimmt aber auch der Wunsch der Menschen nach einer zuverlässigen und einfach zu nutzenden IT-Sicherheit zu.

IoT und Big Data

Das IoT verbindet die reale und die digitale Welt. Eine ganze Reihe von physischen Dingen – von Smartphones, Uhren, Kameras über Autos und Computer bis hin zu Haushaltsgeräten und Industriemaschinen – werden mit eingebetteten elektronischen Systemen, Sensoren und Software ausgestattet. Die Möglichkeiten sind enorm, beispielsweise mehr Komfort und Sicherheit im intelligenten Heim (Smart Home), höhere Produktivität bei besserer Ökologie in der Landwirtschaft, mehr Produktivität in der Fertigung, neue Dienstleistungen und die Unterstützung älterer Menschen. Das IoT hat somit das Potenzial, die Interaktion sowohl zwischen Unternehmen und Verbraucher*innen als auch zwischen den Unternehmen und den Verbraucher*innen jeweils untereinander radikal zu verändern.

Konzernstrategie

Mit der strategischen Ausrichtung auf die genannten Megatrends sichern wir das langfristige Wachstum von Infineon. Wir konzentrieren uns auf strukturell stark wachsende Märkte. Hierzu zählen insbesondere die Elektromobilität, die einzelnen Stufen der elektrischen Energieversorgungskette sowie die zunehmende Digitalisierung aller Lebensbereiche. Wie wir in den einzelnen Märkten agieren, hängt von unserer Wettbewerbsposition ab, die wir im Hinblick auf Technologien, Produkte und Applikationsverständnis analysieren. Hier betrachten wir drei Kategorien: erstens das Kerngeschäft, zweitens angrenzende, komplementäre Geschäfte und drittens neue Optionen sowohl in Bezug auf Produkte und Anwendungen als auch auf Märkte.

Zum Kerngeschäft gehören all jene Bereiche, in denen wir die Applikationen vollumfänglich verstehen oder die zugrunde liegenden Technologien beherrschen und für die wir folglich ein umfassendes, differenzierendes Produktportfolio anbieten können. Hier wollen wir mindestens mit dem Markt wachsen und so unsere führenden Positionen sichern oder sogar ausbauen („grow in scale“). Ein Beispiel sind unsere Leistungshalbleiter, die bei der Erzeugung, Übertragung, Speicherung und Nutzung elektrischer Energie zum Einsatz kommen. Wir verstehen, wie die dabei eingesetzten Systeme elektrische Energie wandeln und kontrollieren, und liefern für diesen Zweck besonders kompakte und energieeffiziente MOSFETs und IGBTs. Hierbei sind wir unangefochtener Weltmarktführer.

Wir haben frühzeitig an neuen Materialien für Leistungshalbleiter geforscht. Insbesondere SiC und GaN eignen sich gut für den Einsatz in der Leistungselektronik. Damit stoßen wir in neue Leistungs- und Effizienzbereiche vor. Typischerweise sind diese Komponenten teurer als Si-basierte Produkte, eröffnen aber dank neuer Systemarchitekturen viele Dimensionen an zusätzlichem Kundennutzen, wie zum Beispiel eine kleinere Baugröße, einen höheren Wirkungsgrad und auch geringere Systemkosten. Die Realisierung dieser Vorteile geht oft mit einem höheren Forschungs- und Entwicklungsaufwand für unsere Kunden einher. Um die Einführung solcher neuen Technologien zu unterstützen, arbeiten wir deshalb einerseits eng mit innovationsstarken Kunden zusammen und erleichtern andererseits weniger technologieorientierten Kunden den Umstieg durch passende Lösungen, zum Beispiel durch abgestimmte Ansteuerbauelemente. Angesichts der zunehmenden Relevanz von SiC für bestimmte Leistungshalbleiter-Applikationen haben wir im Jahr 2018 den SiC-Spezialisten Siltectra erworben. Das Unternehmen hat ein innovatives Verfahren entwickelt, die sogenannte Cold-Split-Technologie zum besonders materialsparenden und effizienten Bearbeiten von Kristallen. Infineon wird die Cold-Split-Technologie sowohl für das effiziente Vereinzeln der SiC-Rohlinge (der sogenannten Boules) als auch zum Teilen von SiC-Wafern einsetzen. Das verschafft uns zwei Vorteile: Zum einen können wir kostengünstiger fertigen, da wir die Vorprodukte effizienter nutzen. Zweitens erreichen wir eine erhöhte Ausbringung von SiC-Komponenten aus den bezogenen Rohmaterialien, was unsere Versorgungssicherheit erhöht. Dies ist insbesondere mit Blick auf den weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien und den zunehmenden Einsatz von SiC im Antriebsstrang von Elektrofahrzeugen von Bedeutung. Wir verfügen über alle Voraussetzungen, um auch künftig im wachsenden SiC-Markt erfolgreich zu sein: Zugang zu qualitativ hochwertigen Wafern, führende Technologie auf Produktebene (Trench-SiC-MOSFET), Modul-Expertise und Systemverständnis.

Dementsprechend bieten wir unseren Kunden optimale Lösungen und können ihnen neue Wege aufzeigen, um erfolgreich zu sein. Mit unserer Großserienfertigung erzielen wir Skaleneffekte und sind dabei aber dennoch in der Lage, Fertigungskapazität für individuelle Kundenprojekte bereitzustellen und gemeinsam mit den Kunden zu wachsen.

Das größte Wachstumspotenzial bieten Märkte, die an unser Kerngeschäft angrenzen, die wir bisher aber noch nicht oder nur zum Teil adressieren. Bereits entwickelte Technologien und Produkte können wir zum Beispiel mit vertretbarem Aufwand für weitere Applikationen adaptieren und so das Absatzpotenzial steigern. Und in den Anwendungsfeldern, in denen wir bereits aktiv sind, können wir unser Systemverständnis nutzen, um mit einem breiteren Produkt- und Lösungsportfolio mehr Umsatz zu erzielen („grow in scope“). Der eingangs erwähnte Kern ist also nicht als ein statisches Portfolio von Aktivitäten zu verstehen. Vielmehr gehen die angrenzenden Bereiche mittelfristig in unserem Kerngeschäft auf, der Kern wächst, die Grenzen verschieben sich. Denn wenn wir in bestimmten Märkten Fortschritte hinsichtlich Technologie, Produkten und Applikationsverständnis erzielen, ändert sich auch deren Klassifikation entsprechend. Um beim Beispiel der Leistungshalbleiter zu bleiben: Diese stellen eine unserer originären Kernkompetenzen dar. Aber auch hier entwickeln wir uns kontinuierlich weiter. Wir erweitern unser Portfolio, um unseren Kunden neben den Leistungshalbleitern zunehmend auch „Intelligenz“ anbieten zu können. Konkret bedeutet das, dass wir unser Angebot an effizienten Leistungstransistoren gezielt um Komponenten ergänzen, wobei zunehmend digitale Lösungen eingesetzt werden. Die Produkte, die für die intelligente Ansteuerung der Schalter benötigt werden, sind tendenziell komplexer und höherwertiger, weil sie mehr Funktionalität integrieren. Angesichts immer komplexerer Systeme und kürzerer Entwicklungszeiten schätzen dies viele Kunden sehr, denn so können sie ihren Entwicklungsaufwand und ihre Entwicklungsrisiken erheblich reduzieren.